Krankenversicherungen in Deutschland

Die Mitglieder einer privaten Krankenversicherung sind entweder nicht in einer gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert oder dürfen dort nicht oder nicht mehr versichert sein (siehe auch Text „Das System der Krankenversicherungen in Deutschland“).

Wer sind die privaten Krankenversicherungen?

Die Anbieter von privaten Krankenversicherungen (PKV) sind entweder Aktiengesellschaften oder Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Sie bieten ihre Leistungen auf der Basis des Unternehmensrechts sowie des Versicherungsvertrags- und Versicherungsaufsichtsgesetzes an. Diejenigen Versicherer, die ihren Sitz in Deutschland haben, unterstehen der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die Interessenvertretung wird durch den Verband der Privaten Krankenversicherung e.V.  mit Sitz in Köln wahrgenommen, der auch die Privaten Pflegeversicherungen vertritt. Sonderfälle sind die Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten und die Postbeamtenkrankenkasse: Sie werden als Körperschaften des öffentlichen Rechts geführt und gelten als Sozialeinrichtungen der Deutschen Bahn bzw. der Deutschen Post.

Angebote der privaten Krankenversicherung

Das Angebot der privaten Krankenversicherungen umfasst sowohl Krankenvollversicherungen mit einem unterschiedlichen Leistungsumfang als auch verschiedene Zusatzversicherungen.

Private Krankenversicherung als Vollversicherung

Die Vollversicherungen orientieren sich an den von den gesetzlichen Krankenkassen angebotenen Leistungen, gehen in manchen Bereichen jedoch über deren Niveau hinaus. Sie beinhalten auch die Teilversicherungen, die nur einen bestimmten Anteil der Krankenkosten abdecken, weil der andere Teil z. B. von der beamtenrechtlichen Beihilfe übernommen wird.

  • Private Krankenversicherung als Zusatzversicherung
    Die angebotenen Zusatzversicherungen stehen auch gesetzlich Versicherten offen. Dabei kann es sich z. B. um Krankenhaustagegeld-, Krankentagegeld- oder Auslandskrankenversicherungen handeln. (siehe Artikel „Die Zusatzversicherungen der gesetzlichen Krankenkassen“).

  • Krankengeld und Kuren in der privaten Krankenversicherung
    Die aus der GKV bekannten Leistungen Krankengeld oder Zuschüsse zu Kuren sind in der Regel bei privaten Krankenversicherungen nicht üblich und müssen auf Wunsch durch eine Krankentagegeldversicherung abgedeckt werden.

Die private Krankenvollversicherung nehmen rd. 10 % (=8,77 Mio., Stand 2017) aller Krankenversicherten in Anspruch, etwa 25 Millionen Menschen haben eine Zusatzversicherung abgeschlossen.

Das Äquivalenzprinzip der privaten Krankenversicherung

Die privaten Krankenversicherungen kennen im Gegensatz zu den gesetzlichen kein Solidarprinzip. Hier sind individuelle Messgrößen von Bedeutung, die den Versicherern Aufschluss über das jeweilige Versicherungsrisiko geben, das ihre Mitglieder mitbringen. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um das Alter und den Gesundheitszustand zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses. Daneben wird auch nach weiteren Risikofaktoren wie z. B. dem ausgeübten Beruf, Vorerkrankungen, Krankenhausaufenthalte mit oder ohne Operation in den letzten Jahren sowie der gesundheitlichen Familiengeschichte gefragt. Die Höhe des Einkommens ist für die Beitragsberechnung ohne Bedeutung. Hier geht es vielmehr um eine kollektive Risikoübernahme, die auch als Äquivalenzprinzip bezeichnet wird.

Tarifmodelle in der privaten Krankenversicherung

Die Tarifmodelle der einzelnen Versicherer sind unterschiedlich aufgebaut, haben jedoch auch Gemeinsamkeiten. Sofern die Beiträge pünktlich gezahlt werden, haben Versicherte eine dauerhafte Garantie bezüglich des vertraglich vereinbarten Versicherungsschutzes. Das unterscheidet sie von den gesetzlich Versicherten, deren Versicherungsschutz hinsichtlich der Pflichtleistungen von politischen Entscheidungen abhängt, die ins SGB V einfließen.

  • Private Krankenversicherung und Basistarif
    Der Basistarif ist rechtlich in seiner Höhe auf den maximalen Beitrag der GKV beschränkt und liegt dabei bei derzeit (2018) 690,31 EUR. Wenn wegen der Beitragszahlung Hilfsbedürftigkeit nachgewiesen werden kann, wird der Krankenkassenbeitrag um 50 % reduziert. Sofern der Versicherte Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe bekommt, wird dieser gekürzte Beitrag von den Trägern der Grundsicherung (Landkreise und kreisfreie Städte) gezahlt.

  • Der Notlagetarif in der der privaten Krankenversicherung
    Wenn sich Versicherte in einer wirtschaftlich schwierigen Lage befinden und ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können, profitieren sie seit August 2013 vom sog. Notlagentarif. Er wurde mit dem „Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung“ eingeführt und sieht eine niedrige Versicherungsprämie zwischen 100 und 125 EUR gekoppelt mit einem deutlich reduzierten Leistungsumfang vor. So soll es den verschuldeten Versicherten ermöglicht werden, ihre Verbindlichkeiten abzubauen, um dann wieder in den alten Tarif zurückkehren zu können. Er hat allerdings den Nachteil, dass während seiner Laufzeit keine Altersrückstellungen gebildet werden, die einem starken Beitragsanstieg im Alter vorbeugen sollen. Hierdurch gibt es einen starken Anreiz, diesen Tarif so schnell wie möglich wieder zu verlassen.
    Die Beiträge des Notlagen-Tarifs betragen:
     
    • Tarif NLTN für Normalversicherte und Beihilfeberechtigte ohne Beihilfeanspruch 79,14 EUR
    • Tarif NLTB 20 für Beihilfeberechtigte nach Beamtenrecht mit 80 % Beihilfeanspruch 15,83 EUR
    • Tarif NLTB 30 für Beihilfeberechtigte nach Beamtenrecht mit 70 % Beihilfeanspruch 23,74 EUR
    • Tarif NLTB 50 für Beihilfeberechtigte nach Beamtenrecht mit 50 % Beihilfeanspruch 39,57 EUR


  • Kalkulationsgrundlagen der privaten Krankenversicherung
    Generell werden die Versicherungsprämien jedoch nach den Vorgaben der Kalkulationsverordnung (KalV) berechnet. Durch die Heranziehung der Barwert-Methode werden die Beiträge so ermittelt, dass zu verzinsende Rückstellungen gebildet werden können, die den erfahrungsgemäß steigenden Krankenkosten im höheren Alter Rechnung tragen.

 

Worauf Sie beim Antrag auf eine private Krankenversicherung achten sollten:

  • Gesundheitsfragen
    Bei der Beantwortung eines Gesundheitsfragebogens sollten auf keinen Fall die Unwahrheit gesagt oder Informationen vorenthalten werden: Kommt es zu einem Versicherungsfall wie beispielsweise einem Krankenhausaufenthalt, forschen Versicherungsunternehmen oft sehr genau nach, unter welchen Umständen die aktuelle Erkrankung entstanden ist. Das ist möglich, weil eine private Krankenversicherung in der Regel nur dann zustande kommt, wenn der Versicherungsnehmer sich damit einverstanden erklärt hat, die behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbinden zu lassen. Doch schon kleine Unachtsamkeiten oder Ungenauigkeiten beim Ausfüllen des Fragebogens können dazu führen, dass die Krankenkasse im Bedarfsfall ihre Leistung komplett verweigert. Oft werden Interessenten aufgefordert, alle Beschwerden oder Erkrankungen anzugeben, die nicht als belanglos eingestuft werden können. Da das für einen medizinischen Laien kaum zu beurteilen ist, ist die Rücksprache mit dem Hausarzt sinnvoll. In solchen Fällen hat der Versicherte nicht nur den Anspruch auf eine Leistung der Krankenkasse verloren, sondern auch über Jahre hinweg vergeblich Beiträge bezahlt.

  • Bei Gesundheitsrisiken: Probeantrag statt Versicherungsantrag stellen!
    Ein weiteres Problem stellt sich, wenn der Versicherungsantrag wegen der Gesundheitsrisiken abgelehnt worden ist. Da die Versicherungswirtschaft ein Zentralregister betreibt, in dem alle abgelehnten Anträge inklusive der Antragsdaten und Ablehnungsgründe erfasst  und für die angeschlossenen Versicherer abrufbar sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch andere private Krankenkassen diesen Kunden ablehnen werden. Das ist bei der Inanspruchnahme des Basistarifs zwar kaum möglich, hier kann das für den Versicherer entstehende Risiko aber durch einen „angepassten“ Versicherungsbeitrag abgeschwächt werden.
    Die Erfassung im Zentralregister kann jedoch zunächst verhindert werden:
    Hierzu muss der Antragsteller im Versicherungsvordruck das Wort „Versicherungsantrag“ streichen und stattdessen die Bezeichnung „Probeantrag“ einsetzen. Damit ist der Antrag für den Kunden, nicht aber für die Versicherungsgesellschaft unverbindlich, wenn sie als Reaktion darauf ein Angebot ausarbeitet.

Leistungen und Tarife der privaten Krankenversicherung vergleichen

Die Auswahl der richtigen privaten Krankenversicherung ist relativ schwierig. Es geht dabei nicht nur um einen einfachen Leistungs- und Beitragsvergleich, sondern auch um die Berücksichtigung einiger „Fallstricke“, die im Krankheitsfall für den Versicherten teuer werden können.
Einige Versicherer bieten z. B. geringere Versicherungsbeiträge an, wenn der Kunde im Gegenzug dazu bereit ist, eine Selbstbeteiligung bei den Arzt-, Medikamenten- oder Heilmittelkosten zu akzeptieren; andere Unternehmen werben mit einer Beitragsrückerstattung, wenn Versicherte in einem festgelegten Zeitraum keine Versicherungsleistungen bezogen haben. Hier sind in Art und Umfang die deutlichsten Unterschiede zwischen den verschiedenen Versicherern zu erkennen.

Ein umfassender Überblick über das vielfältige Angebot der privaten Krankenversicherungen ist nur mit einem Versicherungsvergleich möglich. Hiermit können bereits durch die Angabe der wesentlichen Versicherungsmerkmale und persönlichen Voraussetzungen die relevanten Versicherungsangebote aus dem Gesamtangebot heraus gefiltert werden.

 

 

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